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Bärenfang (Honiglikör), Honigbier und Met

Alkoholische Genussmittel, die mit Honig hergestellt werden, gibt es seit tausenden von Jahren. Zufällig entstandene Varianten aus vergorenem Honig wurden mit der Zeit verfeinert, später dann auch Rezepte entwickelt, bei denen der Honig unvergoren dem alkoholischen Getränk zugesetzt wird. Einige alkoholhaltige Getränke mit Honig lassen sich schnell und einfach zu Hause herstellen, bei anderen ist der nötige Aufwand recht hoch, sodass womöglich das industriell gefertigte Produkt die attraktivere Variante ist.

Bild: flickr.com user: albertoalerigi CC BY 2.0

So der so lassen sich mit einiger Experimentierfreude interessante honighaltige Getränke entdecken, die in gemütlicher Runde verkostet und genossen werden können. Drei besonders spannende Honiggetränke, die auf eine lange Tradition zurückblicken, werden in den folgenden Abschnitten näher vorgestellt.

Bärenfang, ein würziger Honiglikör

Bärenfang ist ein Honiglikör, der in Ostpreußen weit verbreitet war, oft auch unter dem Namen Meschkinnes. Er wurde dort seit dem 15. Jahrhundert hergestellt und gehörte in jeden Haushalt. Nicht nur für einen Umtrunk mit Gästen, sondern auch in der Hausapotheke fand der Bärenfang Verwendung: Er war ein bekanntes Grippemittel, das auch vorbeugend eingesetzt wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg verbreitete sich der Likör in ganz Europa. Heute ist der Honiglikör in ähnlicher Rezeptur jedoch vor allem in osteuropäischen Ländern verbreitet.

In Polen beispielsweise ist er als Krupnik bekannt und beliebt, während er in Deutschland ein Schattendasein fristet. Doch es lohnt sich, Bärenfang zu probieren – nicht nur aufgrund seines milden, süßen Geschmacks, sondern auch, weil seine Herstellung im Vergleich zu anderen alkoholischen Getränken, die auf Basis von Honig produziert werden, denkbar einfach ist. Der Honig wird für den Likör nicht vergoren, sondern lediglich mit Alkohol vermischt.

Um Bärenfang herzustellen, benötigt man Honig, hochprozentigen Alkohol und nach Belieben einige Gewürze. Gängig sind Vanille, Zimt, Nelken oder auch Zitronenschalen. Für Bärenfang gibt es unzählige alte Hausrezepte, jede Familie schwor auf ihre eigene Gewürzmischung. Es darf also der persönliche Geschmack entscheiden, ob und welche Gewürze hinzugegeben werden.

Um eine bittere Note zu vermeiden, empfiehlt es sich, Blütenhonig zu verwenden. Waldhonig kann den Likör zu herb schmecken lassen. Beim Alkohol ist zu beachten, dass dieser geschmacksneutral sein sollte. Der häufig verwendete Wodka beeinflusst das Aroma des Honiglikörs ungünstig, deshalb ist es besser, auf Weingeist (auch Primasprit genannt) zurückzugreifen.

Ein Pfund Honig wird in etwa 700 ml Alkohol aufgelöst. Der endgültige Alkoholgehalt des Likörs kann durch die zugegebene Alkoholmenge reguliert werden (üblich sind etwa 35 Prozent Alkohol im Endprodukt). Anschließend werden die Gewürze hinzugefügt, die Mischung in Flaschen oder Gläser abgefüllt und diese fest verschlossen. Nach einer Woche kann der fertige Honiglikör filtriert werden. Er sollte in dunklen Flaschen bei Zimmertemperatur gelagert werden, um Auskristallisierung zu vermeiden.

Bärenfang ist ein angenehmer purer Dessertlikör, schmeckt aber auch in Tee oder warmer Milch und verfeinert Kuchen und Nachspeisen.

Honigbier, eine bittersüße Erfrischung

Vor wenigen Jahren kam Honigbier vollkommen unverhofft zu neuem Ruhm: Die Medien berichteten über eines der Lieblingsgetränke des damaligen US-Präsidenten Barack Obama, nämlich einem Honey Ale, also einem Honigbier, für das er eigens eine Brauanlage für das Weiße Haus angeschafft hatte. Das Rezept hierfür gab er nach einigem Drängen der Bevölkerung auch bekannt. Das für den Präsidenten hergestellte Honigbier ist, typisch amerikanisch, mit seinen zahlreichen Zutaten vom Deutschen Reinheitsgebot meilenweit entfernt. Hiesige Brauer verwenden dafür meist lediglich Wasser, Honig, Hopfen und gegebenenfalls Malz sowie Bierhefe.

Schon die Germanen hatten neben ihrem Honigwein mitunter auch Honigbier in ihren Trinkhörnern, wie archäologische Untersuchungen ergaben. Auch im Mittelalter wurde dem Bier Honig zugesetzt, um seine Haltbarkeit zu verlängern. Heute ist dies aufgrund der Verwendung von Hopfen nicht mehr nötig, jedoch ergibt die süße Note eines Honigbiers eine interessante und wohlschmeckende Alternative zu den gängigen Bieren. Im Zuge der Craft-Beer-Bewegung stößt Honigbier auf ein immer breiteres Interesse unter Bierkennern. Viele Hobbybrauer versuchen sich an diesem traditionellen Produkt, aber auch industriell wird es mittlerweile von wenigen Brauereien hergestellt.

Für Imker interessant ist die Tatsache, dass auch Honig mit zu hohem Wassergehalt, der normalerweise nicht mehr frei verkehrsfähig ist, zu diesem alkoholischen Getränk verarbeitet werden kann.
Im Gegensatz zum Honiglikör wird beim Honigbier der Honig bei der Herstellung vergoren. Aufgrund der Vergärung des im Honig enthaltenen Zuckers wird das Bier nicht übermäßig süß. Honigbiere haben für gewöhnlich einen Alkoholgehalt von etwa sechs Prozent.

Die einfachste Herstellungsvariante ist das Aufkochen des Honigs mit Wasser und Hopfen. Nach dem Abkühlen wird durch Zugabe der Bierhefe die Gärung in Gang gesetzt. Das Bier wird dann in ein Gärgefäß gefüllt, das bei der Gärung entstehende Gase entweichen lässt. Nachgärung in Flaschen sowie eine mehrwöchige Reifephase sind bei geübten Brauern üblich. Das Bierbrauen ist jedoch eine komplexe Wissenschaft, die viel Übung und Beschäftigung mit der Thematik erfordert.
Wer beim Brauen eines Honigbiers erfolgreich war (oder sich die gekaufte Variante gönnt), kann es gekühlt pur oder als Mischgetränk genießen. Die Honignote prädestiniert das Bier auch als Glühbier, also als ein mit Gewürzen versetztes winterliches Heißgetränk, oder als Zutat für eine herzhafte Biersoße zum Braten.

Met, der göttliche Honigwein

Bild: flickr.com user: phlyingpenguin CC BY 2.0

Er wird heute meist der nordischen Kultur zugeordnet, doch der erste Honigwein entstand schon mehrere Tausend Jahre vor den Zeiten der

Wikinger. Da Honig seit Anbeginn der Zeiten vom Menschen als Nahrungsmittel genutzt und schon früh als Konservierungsmittel verwendet wurde, entstanden in zahlreichen Kulturkreisen Rezepte für alkoholische Honiggetränke. Der Honig wilder Bienen wurde wohl durch Zufall zum alkoholischen Getränk, denn bei zu hohem Wassergehalt beginnt Honig ohne Zutun auf natürliche Weise zu gären. Diese spontane Gärung wurde später durch die bewusste Zugabe von Hefen ins Honigwasser ersetzt. Der Name Met hat seine Wurzeln im indogermanischen Sprachraum und bezieht sich auf den Wortstamm medhu-, der Honig bedeutet.

Honigwein war der Trank der Götter bei den Germanen. Auf religiösen Festen wurde er in großer Menge konsumiert, häufig wurde das Getränk auch mit halluzinogenen Stoffen angereichert, um die berauschende Wirkung zu steigern und eine spirituelle Erfahrung zu ermöglichen. Auch sagt man, dass der Kampfgeist der Wikinger dadurch gestärkt werden sollte.

In der nordischen Mythologie gab es gar einen Skaldenmet, ein sagenhaftes Getränk, nach dessen Genuss jeder in der Lage war, gut zu dichten und zu singen. Im alten Griechenland wurde der Honigwein ebenfalls als Opfergabe und bei kultischen Handlungen genutzt. Obgleich er bis zum Mittelalter als Alltagsgetränk weit verbreitet war, blieb er aufgrund der Verwendung von teurem Honig lange Zeit ein Getränk, das den Wohlhabenderen vorbehalten war. Seine frühere Verwendung als Heilmittel verdeutlicht den hohen Wert des Honigweins. Ihm wurde eine antibakterielle Wirkung zugesprochen, die bei der Behandlung vielfältiger Erkrankungen erwünscht war.

Weintrauben als Basis für ein alkoholisches Getränk waren wesentlich günstiger zu kaufen als Honig, weshalb in Regionen mit Weinbau die Mettradition beinahe vollständig ausgelöscht wurde. Auch Bier wurde zum Konkurrenzprodukt, das den Honigwein in weiten Regionen verdrängt hat. Lediglich in Großbritannien und skandinavischen Ländern steht der Honigwein in einer ungebrochenen Tradition. In Mitteleuropa hingegen wurde das Getränk erst in den letzten Jahren und Jahrzehnten wiederentdeckt. Auf Mittelaltermärkten und in der Metal-Szene ist Met schon lange ein Kultgetränk, das mittlerweile auch in breiteren Bevölkerungsschichten bekannt und beliebt wird. Dies führt auch dazu, dass nun immer neue Rezepte ausprobiert werden.

Wer den Honigwein zu Hause herstellen möchte, benötigt neben Honig Wasser und Reinzuchthefe, die in der Apotheke, aber auch in einigen Drogeriemärkten und Gartencentern erhältlich ist. Die Herstellung ist denkbar einfach: Ein Teil Honig wird in zwei Teilen warmem Wasser gelöst, anschließend wird die Hefe zugesetzt und die Mischung in einen Gärballon gefüllt. Ein solcher Ballon ist nötig, damit der Zucker unter Ausschluss von Sauerstoff vergären kann, die dabei entstehenden Gase jedoch entweichen können. Die Gärung ist abgeschlossen, sobald im Gärballon kaum noch Bläschen nach oben steigen. Dies kann einige Wochen dauern. Der trinkfertige Met hat üblicherweise einen Alkoholgehalt von etwa 15 Prozent.

Auch bei dieser Rezeptur ist es, wie bereits beim Honigbier beschrieben, bedenkenlos möglich, dass der Imker einen Honig mit erhöhtem Wassergehalt verwendet.
Viele Rezepte für Met beinhalten verschiedene Gewürze oder Säfte, häufig Apfelsaft. Oft wird der Wasseranteil in den Rezepten durch verschiedene Fruchtsäfte ersetzt. Je nach geplanter Verwendung und Geschmack kann mit verschiedenen Rezepturen experimentiert werden. Auch als Mischgetränk ist Met beliebt: Etwas Kirschsaft dazugeben, und er wird zum Drachenblut. Met ist gekühlt eine sommerliche Erfrischung, die mit Wasser gemischt, ähnlich einer Weinschorle, etwas leichter wird. Mit verschiedenen Gewürzen aufgekocht ist Met ein beliebtes wärmendes Getränk auf Weihnachtsmärkten und eine echte Konkurrenz zum Glühwein.

Die Liste der unter Verwendung von Honig hergestellten alkoholischen Getränke ist mit den beschriebenen drei Vertretern noch lange nicht abgeschlossen. Zahlreiche weitere Honiggetränke wie der kanarische Ronmiel, der kroatische Gvirc oder der antike Mulsum verdienen Beachtung und sind es ebenso wert, probiert zu werden.