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Bio-Honig – Das steckt dahinter!

Häufig werden wir an unserem Marktstand gefragt: „Bio-Honig? Wie geht das denn? Ich dachte, jeder Honig ist bio!“ Zugegebenermaßen: die Unterschiede zwischen Bio-Honig und konventionellem Honig halten sich im Bereich der Imkerei in Grenzen. In anderen Bereichen der Landwirtschaft sind sie deutlich größer. Aber auch in der Bio-Imkerei gibt es einige wichtige Auflagen, von denen ich die wichtigsten hier einmal vorstellen möchte. Das heißt nicht, dass das alles manch konventioneller Imker nicht auch so machen würde. Durch die Bio-Zertifizierung ist die Umsetzung dieser Vorgaben jedoch für den Kunden unabhängig kontrolliert und so garantiert.

Damit auf dem Honigglas „Bio-Honig“ stehen darf, muss die Imkerei zertifiziert sein. Dazu meldet sich der Betrieb bei einer der in Deutschland derzeit 18 Bio-Kontrollstellen an und beginnt die einjährige Umstellungszeit. Während dieses Jahres muss der Imker bereits nach den Bio-Richtlinien produzieren, darf seine Produkte jedoch noch nicht als bio, sondern weiterhin konventionell, vermarkten.

Auch das Bienenwachs wird kontrolliert

Zudem muss innerhalb jenes Jahres das gesamte Bienenwachs im Stock einmal ausgetauscht werden, sodass sämtliche Rückstände im Wachs ausgeschlossen sind. Über das Jahr verteilt werden so nach und nach die alten Waben entnommen und durch leere Rähmchen oder Bio-Mittelwände ersetzt, die die Bienen dann zu neuen Waben ausbauen. Hier ist nun Rückstandsfreiheit gewährleistet. Die alten konventionellen Waben werden eingeschmolzen. Das gewonnene Wachs kann entweder an andere konventionelle Imker verkauft oder zu Bienenwachskerzen umgearbeitet werden.

Bienenstöcke sind in der Bio-Imkerei aus Naturmaterialien gefertigtDie Bienenstöcke müssen in der Bio-Imkerei aus Naturmaterialien gefertigt sein, meist also Holz, seltener Stroh. Sofern sie angestrichen werden, müssen die Farben auf Naturölbasis produziert sein. Ziel ist es, dass die Wand des Bienenstocks luftdurchlässig bleibt – so wie die natürliche Behausung der Honigbienen in alten Bäumen.

Auch bei der Reinigung und Desinfektion muss der Bio-Imker auf chemische Mittel verzichten. Hier kommen nur mechanische (z.B. Abkratzen) und thermische (z.B. Abflammen) Methoden zur Anwendung.

In der konventionellen Imkerei kürzen manche Imker ihren Bienenköniginnen nach deren Begattung einen Flügel, sodass sie nicht mehr fliegen und schwärmen können. Dieses ist in der Bio-Imkerei nicht gestattet. Auch die künstliche Besamung ist verboten. Jede Königin in einem bio-zertifizierten Volk ist auf natürliche Weise von Drohnen begattet worden und besitzt zwei unversehrte Flügel.

Varroabekämpfung ohne Chemie

Da es in allen Bienenvölker jedes Jahr wieder starke Populationen der Varroamilbe gibt, ist auch in der Bio-Imkerei eine Behandlung unabdingbar. Hier sind jedoch alle chemisch-synthetischen Mittel verboten. Es dürfen nur rückstandslose Behandlungsmittel wie die organischen Säuren Ameisensäure, Oxalsäure und Milchsäure sowie Thymolpräparate eingesetzt werden. Biotechnische Verfahren, wie das Entnehmen der Drohnenbrut oder die komplette Brutentnahme finden ebenfalls Anwendung.

Die Einfütterung der Bienen im Herbst erfolgt schließlich mit öko-zertifiziertem Zucker. Für mich ist dabei von Bedeutung, dass er in Deutschland oder einem der Nachbarländer aus Zuckerrüben gewonnen wurde. Bio-Zucker aus Übersee kommt für mich nicht infrage, macht es in meinen Augen doch wenig Sinn, wenn ein Produkt, das einmal um die Welt gefahren ist, noch „bio“ heißen möchte. Heimischer Bio-Zucker ist etwa doppelt so teuer wie der konventionelle Zucker.

Bei einigen Bio-Anbauverbänden kommt beim Winterfutter noch ein bestimmter Anteil von Honig als Vorgabe hinzu. Bei unserem Verbund Ökohöfe liegt dieser bei zehn Prozent.

Für Bio-Honig sind auch die Standorte wichtig

Der richtige Standort ist wichtigFür mich eine der wichtigsten Vorgaben für Bio-Honig ist jedoch die Auswahl der Standorte für die Bienen. Bei weitem kann man nicht überall Bio-Honig ernten. Wenn ich meine Bienen an einem bestimmten Standort aufstellen will, muss zunächst wenigstens vier Wochen zuvor eine Karte bei der Kontrollstelle eingereicht werden, auf welcher der Standort sowie der Drei-Kilometer-Flugradius der Bienen verzeichnet sind. Innerhalb dieses Radius müssen alle Flächen durch farbliche Markierungen Kategorien zugeordnet sein: Wald, Weide/Wiese, ökologischer Acker, konventioneller Acker, Siedlung. Der Anteil von Wald, Weiden und Wiesen sowie ökologisch bewirtschaftetem Acker muss über sechzig Prozent betragen. Oder andersherum: weniger als vierzig Prozent der Fläche im 3-km-Umkreis des Bienenstandes dürfen konventionelle Ackerfläche sein.

So ist auch sichergestellt, dass der Imker seinen Standort genau kennt. Für mich persönlich heißt das wiederum, dass auf den konventionellen Ackerflächen in der Nähe auch nichts wachsen sollte, was für die Bienen interessant ist. So kann ich mir annähernd hundertprozentig sicher sein, keinen Eintrag von Pestiziden zu haben.

Darüber hinaus muss ein Abstand von 10km zu Anbauflächen gentechnisch veränderter Organismen (GVO) gehalten werden, um hier tatsächlich eine hundertprozentige Sicherheit des Ausschlusses der Beeinträchtigung zu erhalten. Auch zu Autobahnen, Industriegebieten und Müllhalden ist ein gewisser Abstand vorgeschrieben.

Jedes Bio-Produkt in Deutschland muss nach der EU-Bio-Verordnung zertifiziert sein. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Bio-Anbauverbänden, die noch teilweise deutliche schärfere Richtlinien als die EU-Bio-Verordnung ausweisen. Sich einem solchen Verband anzuschließen, ist jedem Bio-Betrieb freigestellt. In jedem Fall muss auf dem Produkt das EU-Bio-Siegel aufgeführt sein. Die Verwendung eines Verbandssiegels ist darüber hinaus zusätzlich nach entsprechender Zertifizierung möglich.

Regionale Produkte fördern regionale Kreisläufe

Da die EU-Bio-Verordnung in manchen Punkten zu schwache Vorgaben macht, haben auch wir uns direkt schon zu Beginn unserer Umstellungszeit Gedanken über den Beitritt zu einem Bio-Anbauverband gemacht. Unsere Entscheidung fiel dabei auf den Verbund Ökohöfe. Es ist ein relativ kleiner Bio-Anbauverband. Doch gerade dadurch liegt seine Stärke für uns in der Betonung von Regionalität und der Förderung regionaler Kreisläufe.

Und ist Bio-Honig nun besser als anderer Honig? Nach gesundheitlichen Parametern werden sich Bio-Honig und konventioneller Honig wenig nehmen. In der Bio-Imkerei werden durch die beschriebenen Auflagen zahlreiche Bemühungen unternommen, eine Belastung des Honigs mit fremden Stoffen möglichst auszuschließen. Wo ökologische und konventionelle Landwirtschaft nebeneinander bestehen, ist dies kaum zu hundert Prozent zu erreichen. Dennoch wird somit der Anteil der Pestizidbelastungen in Bio-Honigen deutlich geringer sein, als in konventionellen Honigen.

Generell bedeuten Lebensmittel aus ökologischer Erzeugung nicht, dass sie unbedingt gesünder als konventionelle Lebensmittel sind oder besser schmecken würden. Wer Bio kauft, unterstützt damit die artgerechtere Tierhaltung, die mehr auf die Bedürfnisse der Tiere eingeht. Und vor allem unterstützt er/sie eine Landwirtschaft, die den Einsatz und die Ausbringung von Pestiziden in unserer Umwelt auf ein Minimum reduziert und die Auswirkungen seiner Wirtschaftsweise auf die Umwelt stärker berücksichtigt. Gerade dieses ist für uns Imker und unsere Bienen von besonderer Bedeutung – egal ob konventioneller Bio-Imker.


Autor: Friedrich Rosenthal (21) betreibt die Imkerei seit dem Frühjahr 2010, bereits in vierter Generation. Seit dem Frühjahr 2013 ist seine Imkerei Ökohof Fläming nach der EU-Bio-Verordnung und  den Richtlinien des Verbund Ökohöfe zertifiziert und dient dem Nebenerwerb. Derzeit bewirtschaftet er mit seinem Vater 48 Bienenvölker.

Weitere Infos unter: www.oekohof-flaeming.de/imkerei