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Honigschleuder

Bienen fliegen tausende Male aus, um ein paar wenige Tropfen Nektar zu sammeln, den sie im Stock dann zu Honig verarbeiten. In die aus Körperwachs selbst gebauten, sechseckigen Waben legen sie den Honig ab und lassen ihn mehrere Wochen reifen. Erst dann steht er als Wintervorrat bereit. Die Deckel der Wabenzellen werden in der kalten Jahreszeit nach und nach aufgebrochen und der Inhalt verspeist. Für die Gesundheit der Bienen ist der Honig immens wichtig und der Imker darf immer nur einen Bruchteil dessen entnehmen, was die Bienen sammeln. Dies bewerkstelligt er mit einer Honigschleuder. Doch wer ist erstmalig auf die Idee gekommen, ein Arbeitsgerät zu entwickeln, mit dem Honig aus den Waben geschleudert wird?

Die Erfindung der Honigschleude

Parallel mit vielen Neuerungen auf dem Gebiet der Bienenzucht und mit den wissenschaftlichen Entdeckungen in Bezug auf das Verhalten der Bienen, erfolgte die Erfindung der Honigschleuder. Der in Wien geborene, spätere Major Franz Edler von Hruschka lebte in einer Pension in Italien, nahe Venedig. Neben Vorträgen und Seminaren widmete er sich seinen zahlreichen Ideen und Erfindungen. Im Jahr 1865 entwickelte von Hruschka eine sich horizontal drehende Honigschleuder, deren grundlegende Funktionsweise bis heute allen folgenden Geräten innewohnt.

Zuvor wurden Waben in warmes Wasser gelegt, um das Wachs weich zu machen und den Honig feucht zu gewinnen. Mit von Hruschkas Erfindung war es möglich geworden, den Honig trocken herausschleudern. Er legte zudem mit seinen Arbeiten den Grundstein für weiterführende Arbeiten der ihm folgenden Wissenschaftler. Diese erforschten ihrerseits das Leben der Honigbiene und studierten ihren ökologischen sowie ökonomischen Wert für unsere Gesellschaft.

Grundlegendes vorab

Üblicherweise werden in den Bienenbeuten Holzrähmchen verwendet. In diese Rähmchen bauen die Bienen ihre Waben. Die Rähmchen sind in der Regel etwas größer als ein DIN A4-Blatt und haben eine Stärke von 3 cm. Sie werden mit etwa 5 mm Abstand in die Beute eingehängt. Die lichte Fläche der Rähmchen wird mit einer Wabenvorlage, der sogenannten Mittelwand, ausgekleidet. Die Vorlage hilft den Bienen beim Bau ihrer sechseckigen Waben. Schon bald sind die ersten gebaut. Je nach Brut (Arbeiterinnen, Drohnen oder Königinnen) haben die Zellen einen Durchmesser zwischen 5 und 7 mm und eine Tiefe von 10 bis 14 mm.

Die Bienen nutzen ihre Waben aber auch als Honigspeicher. Von der Mitte des Bienenstocks (und dabei auch immer von der Mitte der einzelnen Rähmchen) wird der Honig eingebracht und schließlich verdeckelt. Da das Wachs ab einer Temperatur von 40° weich wird, achten die Bienen darauf, dass es im Bienenstock nicht zu heiß wird. Andernfalls würde sich sich die Form der Waben unter dem Druck des schwereren Honigs verändern. Das Bienengold würde dann davonrinnen. Je Holzrahmen kann de Imker mit etwa 1 kg Honig rechnen.

So wird geschleudert

Die Arbeit des Imkers wird von den Bienen dahingehend erleichtert, dass sie die Rähmchen fast ausschließlich entweder mit Honig befüllen oder aber als Brutstätten verwenden. So wird durch das Ausschleudern des Honigs nie die Brut zerstört. Ist der Honig bereit zur Ernte, erkennt der Imker dies an den weitgehend verdeckelten Waben. Er entnimmt sie, kehrt die Bienen ab und trägt sie in die Schleuderkammer. Dieser Raum muss verschließbar sein, da die Bienen den Versuch unternehmen würden, sich ihren Honig zurückzuholen.

Die Holzrähmchen werden als nächstes mit einer Gabel, einem Honigrechen entdeckelt. Alternativ nutzt der Imker Heißluft, unter der sich das Wachs des Deckels zusammenzieht und den Honig frei gibt. Nur die äußerste Oberfläche der Waben wird abgehoben. Die Wabenwände werden weitestgehend geschont. Schließlich sollen sie beim Schleudervorgang der Zentrifugalkraft standhalten – also den Honig entlassen und nicht vorzeitig in sich zusammenfallen. Die ausgeschleuderten Rahmen samt Waben kommen in den Stock zurück, wo die Bienen sofort beginnen die Zellen zu „renovieren“ und für den abermaligen Gebrauch herzurichten.

Funktionsweise und Aufbau der Honigschleuder

Honigschleuder mit Handkurbel
Honigschleuder mit Handkurbel

Der in den Waben enthaltene Honig kann je nach Tracht eine unterschiedliche Farbe und unterschiedlich zähflüssig sein. Durch die leicht geneigte Bauweise der Zellen verhindern die Bienen das vorzeitige Austreten des Honigs, bevor die Zelle durch einen Deckel verschlossen wird. Der Imker macht sich diesen Winkel zunutze und stellt die Waben seitlich in die Honigschleuder. Die Entfernung der Waben von der Drehachse der Honigschleuder sind entscheidend für das Drehmoment und die Effizienz des Gerätes. Je schneller sie sich dreht, um so effektiver löst sich der Honig aus den Zellen. Beim Arbeiten mit der Honigschleuder ist aber Achtung geboten: Die Wachszellen dürfen beim Schleudern nicht zerstört, also durch die Zentrifugalkraft zerquetscht werden. So gilt bei einem 70 cm-Durchmesser der Honigschleuder eine ungefähre Drehzahl von 100 als ausreichend.

Mit seiner horizontalen Achse liegt der Zylinder der Honigschleuder auf einem Gestell mit vier Füßen. Die obere Hälfte der walzenförmigen Konstruktion kann aufgeklappt werden. Um die Drehachse sind die Halterungen für die Rähmchen befestigt. Mit einer Kurbel oder einem Motor wird die Achse gedreht und der Honig aus den Waben geschleudert und spritzt an die Innenwand der Walze. Der Honig sammelt sich im unteren Bereich des Zylinder und lässt sich über eine Klemmöffnung entnehmen. Da die Rähmchen beim Schleudern durch die Drehung einmal oben und dann unten sind, wird diese Honigschleuder als Vertikalschleuder bezeichnet.

Bei Horizontalschleudern mit vertikaler Achse drehen sich die Waben ebenfalls entlang der zylindrisch geformten Innenwand des Drehkörpers. Der Honig rinnt herunter und sammelt sich am ebenen, leicht abfallenden Boden. Auch hier lässt sich der Honig über einen Klemmverschluss entnehmen.

Die verschiedenen Arten von Honigschleudern

Tangentialschleuder mit Motor und Platz für fünf Rähmchen im Korb
Tangentialschleuder mit Motor und Platz für fünf Rähmchen im Korb

Kleine Betriebe und Hobbyimker kommen mit Honigschleudern aus, die zwei bis fünf Waben gleichzeitig tragen können. Eine Honigschleuder dieser Art wird mit einer Handkurbel angetrieben. Dagegen verwenden größere Betriebe Honigschleudern mit einfachen Motoren – teilweise aber auch mit computergesteuerten Motoren. Solch eine Honigschleuder kann in verschiedenen Geschwindigkeiten und in beide Drehrichtungen betrieben werden. Dies ändert aber nichts am grundlegenden Konstruktionsaufbau des Arbeitsmittels. Hier verschiedene Arten von Honigschleudern im Überblick:

Tangentialschleuder

Die Körbe, die die Waben aufnehmen und während des Schleudervorgangs halten, laufen parallel zur Wand der Honigschleuder. Bedingt durch die Zentrifugalkraft kann nur die außen liegende Wabenseite vom Honig befreit werden. Die Waben müssen während des Verfahrens umgedreht werden, damit der Honig von der anderen Seite ebenfalls herausgeschleudert werden kann. Entweder dreht der Imker dafür die Waben händisch um, indem er sie aus dem Korb herauszieht, sie umdreht und wieder einsetzt. Oder er dreht den Korb im Inneren der Schleuder um.

Radialschleuder

Radialschleuder
Radialschleuder mit elektronischer Steuerung

Der Vorgang des Umdrehens entfällt bei Radialschleudern. Deren Körbe reichen wie Strahlen vom Mittelpunkt der vertikalen Achse bis zum Zylindermantel. Je nach Größe der Radialschleuder können vier bis 24 (in Industrieanlagen auch mehr als 48) Waben gleichzeitig geschleudert werden. Der Oberträger mit den Ohren, also dem Überstand zum Einhängen in die Beute, wird mantelseitig in den Korb gehängt. Dadurch schauen die Öffnungen der Wabenzellen leicht nach außen. Beim Schleudervorgang rinnt der Honig von beiden Seiten heraus. So können die Waben doppelt so schnell und effizient geschleudert werden und müssen nicht zeitraubend gewendet werden.

Bei einer solchen Honigschleuder ist es ratsam, mit einer geringeren Schleudergeschwindigkeit zu beginnen, bis der Großteil des Honigs herausgeflossen ist. So wird verhindert, dass sich die Waben durch ihr eigenes Gewicht zerdrücken. Erst später wird die Geschwindigkeit erhöht und damit der Resthonig herausbefördert. Hier werden häufig Motoren eingesetzt deren Drehzahl elektronisch gesteuert werden können. Zu Beginn dreht sich die Honigschleuder langsam aber kraftvoll, weil der Honig noch schwer wiegt – später aber wird sie schneller.

Selbstwendeschleuder

Was bei Handschleudern manuell möglich ist, ist bei den elektronisch gesteuerten Motoren der Selbstwendeschleudern selbstverständlich. Nämlich das Umkehren der Drehrichtung beim Schleudervorgang. Die Rähmchen werden zunächst in die radial stehenden Körbe eingeschoben. Die flachen Körbe sind an einem drehbaren Flechtgestell montiert und mantelseitig schwenkbar. Läuft die Schleuder nach rechts, schwenken die Körbe gegen die Drehrichtung nach links. Wird die Drehrichtung des Motors nach links geändert, klappen die Körbe, die wie eine Tür schwenkbar sind, nach rechts. Damit lassen sich beide Seiten der Waben in einem Arbeitsgang leeren ohne den Deckel der Honigschleuder öffnen oder die Waben ein zweites Mal in die Hand nehmen zu müssen.

Computergesteuerte Programme übernehmen die Anpassung der Drehzahl, die Richtungsänderung und die Länge des Gesamtprogramms und zeigen das Ende des Schleudervorgangs mit Licht und Pfeifton an. Zusatzausstattungen, wie eine Heizung am Schleuderboden um den Honig dünnflüssiger zu machen sowie eine Verarbeitung der Materialien mit möglichst wenig Nähten sind bei vielen Modellen selbstverständlich.

Der verantwortungsvolle Umgang mit den Bienen

Sicher – Honigschleudern helfen bei der wirtschaftlichen Gewinnung von Honig. Die Gesundheit der Bienen darf aber nicht aus den Augen verloren werden. Der Zustand der Bienen hängt von ihrem selbst produzierten, gereiften Honig, dem enthaltenen Propolis und der Menge der Enzyme ab, mit denen sie ihren Wintervorrat anreichern (Infos zur Zusammensetzung von Honig: hier klicken). Sie vollständig ihres Vorrats zu berauben, kann ihr Leben beeinträchtigen. Auch eine Honigschleuder muss also im Sinne des Tierschutzes eingesetzt werden. Wenn der verantwortungsvolle Umgang mit den Bienen und ihrem Honig gewährleistet ist, steht dem Honiggenuss nichts mehr im Wege.