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Jobsharing Menschen und Bienen – Das Bienenhaus als Beitrag zur Biologischen Vielfalt

Das Wort Bienenhaus wird sehr unterschiedlich genutzt. Mit dem Bienenhaus der Schaumburger Waldimkerei wurde auch architektonisch ein Tempel für die Bienen errichtet, der Menschen einlädt, mit ihnen zusammen zu leben und zu arbeiten. Die Anlage und ihre Entwicklung werden durch einen gemeinnützigen Verein unterstützt.

Mit dem Bienenhaus werden über die Bienenpflege, die Hege gesunder Umweltbedingungen für die Bienenvölker und über die Besichtigung ihrer faszinierenden Lebensorganisation hinaus naturräumliche Ansprüche umgesetzt, um in Kooperation mit Bienen den engeren Raum der Imkerei in die benachbarten Naturräume zu erweitern. Ziele der Kooperation zwischen Bienen und Menschen sind der Erhalt der biologischen Vielfalt und eine Verbesserung der Entfaltungsbedingungen für die biologische Vielfalt von Pflanzen und Menschen.

Ein organisches Bauwerk

Das Bienenhaus ist ein organisches Bauwerk, angelehnt an den Körper einer gerade geschlüpften Bienenlarve. Seine Form steht symbolisch für die Entstehung allen Lebens. Es wurde nach baubiologischen Kriterien errichtet. Holz, Stroh und Lehm sind, wie bei den früheren Bienenkörben, seine wesentlichen Baumaterialen. Ein Gründach bietet den summenden Bewohnern ein willkommenes Nahrungsangebot. Das breite, umlaufende Überdach schafft einen geschützten Außenbereich mit abwechslungsreichen Perspektiven auf die intakte Natur der Umgebung. Zehn Bienenvölker sind die Bewohner des Hauses. Die Gäste begegnen ihnen mit Staunen.

Die Bienen waren Inspiratoren für die architektonische Skulptur des Bienenhauses. Bauchige runde Wände, gewölbte Decken und fehlende rechte Winkel, ergänzt durch große Panoramafenster, durch die der Bienenflug beobachtet werden kann, regen zum kreativen Denken an. Im Bienenhaus fühlt man sich geborgen und trotzdem eng verbunden mit der Landschaft, in die man schaut. Die Nähe zu den Völkern, das ruhige Summen, das duftende Gemisch aus Honig, Bienenwachs, Pollen und Propolis, das den Raum erfüllt, wecken im Gast die eigenen Instinkte und können heilen. Durch Jobsharing entsteht ein neuer Naturraum der biologischen Vielfalt.

Auch der Dialog wird gefördert

Der Verein versammelt mit seinen Mitgliedern vor allem auch Expertise und Kompetenz. So ist z.B. der renommierte Bienenforscher Prof. Dr. Randolf Menzel Mitglied („Die Intelligenz der Bienen“). Seine Arbeiten über die Navigationsleistungen der Bienen haben eine große Bedeutung für die Merkmalsbestimmung von Naturräumen in unserer Kulturlandschaft. Im Bienenhaus ist ein Arbeitsraum integriert, in dem wissenschaftliche ‚Experimente weitergeführt werden können. Der Verein übernimmt darüber hinaus eine aktive Rolle im Dialog mit den Kommunen des Schaumburger Lands, mit den Akteuren der Landwirtschaft und der Forstwirtschaft.

Auf dem weiten Gelände der Waldimkerei können die Bienenhaus-Bienen, die Imkereibienen und die Wildbienen aus der Nachbarschaft unter guten natürlichen Bedingungen leben und arbeiten. Diese engere Zone nennen wir die Kulturzone. Das Projekt der Zusammenarbeit von Menschen und Bienen folgt dem Ziel, diese Kulturzone auf die benachbarten Zonen des Waldes, des Dorfes und der Landwirtschaft zu erweitern, indem Natur belastende Merkmale identifiziert und möglichst abgebaut werden. Eine gesunde Umwelt für Arten – in diesem Fall Bienen – ist Voraussetzung, damit diese selbstbestimmt ihren Beitrag für eine natürliche Diversität der Lebensprozesse leisten können.

Ein Prozess des Erlebens

Die Zusammenarbeit von Bienen und Menschen ist ein kultureller Prozess des Erlebens, des Erkennens und des Lernens, der zurückgeht bis zu den Anfängen der menschlichen Zivilisation. Das Projekt ist deshalb auf verschiedenen Ebenen auf Kooperationsformen angelegt, in denen Gruppen und Einzelne durch Beobachten, Informationen und Gestaltungen angeregt werden, Partner ganzheitlicher Naturprozesse zu sein. Die Rolle der Menschen, die Vorgaben der Natur zu beherrschen und auszubeuten, wird kritisch hinterfragt und durch Verhaltensmodelle der Partnerschaft auf gleicher Augenhöhe ersetzt.

Bestehende Partnerschaften werden genutzt und neue Partnerschaften aufgebaut. Die regionalen Verwaltungseinrichtungen werden an das Projekt ebenso gebunden (Infrastruktur, Tourismus) wie Einrichtungen der Bildungsarbeit (Führungen, Seminare, Workshops), wissenschaftliche Einrichtungen (Beobachtung, Experiment) und Organisationen wie Stiftungen und Vereine (Partizipation, Förderung).

Mit dem Bienenhaus wurde ein Ort geschaffen, in dem die Bienen weitgehend ohne Eingriffe durch Menschen selbstorganisiert und gesund leben können. In ihrem Lebensraum entfaltet sich ein ausgeglichenes Biotop der Vielfalt von Insekten und Pflanzen.  Für diese biologische Vielfalt sollen Bedingungen der räumlichen Expansion des Artenschutzes geschaffen werden. Die Biodiversität folgt den naturräumlichen Eigenschaften der benachbarten Zonen des Waldes, des Dorfes und der Landwirtschaft. Das Bienenhaus ist zudem im engeren Sinne innovativ, weil es auch für die menschliche Gesundheit genutzt werden kann. Für Menschen, die unter der Belastung von Schädigungen ihres Atemsystems leiden, können die antitoxischen Wirkungen im Bienenhaus lindernd wirken. Die harmonisierende Ausstrahlung der Bienen und das Eingebettetsein in einen intakten Naturraum ist heilsam und regt zur Selbstreflexion an.

Zum Wohle der Bienen

Das Projekt ist eine Methode des spezifischen Artenschutzes. Es stärkt im Zusammenspiel der Leistungen von Bienen in einer ihnen angemessenen Umgebung die Überlebenskräfte der Bienen. Es gibt Hinweise, wie auf natürliche Weise Bienen mit den Varroamilben fertig werden können. Es liefert somit auch für Imkereien wichtige Erkenntnisse.

Die Bezüge zur natürlichen Verbesserung der Biodiversität werden in Darstellungen zum Umfeld des Projekts, zu den Zielen des Projekts sowie zu den Aktionsformen des Projekts hergestellt. Es handelt sich um interaktive Ansätze, bei denen die Akteure Menschen und Bienen sind. Das Projekt schafft also keinen ausgewiesenen Schutzraum für die Natur, aus der Menschen möglichst herausgehalten werden, sondern setzt auf die Möglichkeiten, wie Bienen und Menschen Natur gegenseitig nutzen können, ohne die natürlichen Prozesse der biologischen Vielfaltsbildung zu beeinträchtigen. Die Webseiten des Vereins und der Waldimkerei  stellen die interaktiven Ansätze auch optisch dar.

www.das-bienenhaus.de

www.wald-imkerei.de

Übrigens: Das naturräumliche Bienenhaus-Konzept überzeugte auch die Vereinten Nationen. Sie werden es am 12. Mai 2018 als Projekt der Woche im Rahmen ihrer UN-Dekade Biologische Vielfalt auszeichnen.